Do it yourself – Ottmar Hörl

(über GalleryTalk Interview)

Seit Jahrzehnten verblüfft er Sammler wie Massenpublikum. Seine Ideen sind genial und von gnadenloser Konsequenz. Er ist der Meister des Seriellen und findet die Lücken in der Kunstgeschichte. International berühmt wurde er mit Großprojekten im öffentlichen Raum. Ottmar Hörl ist Konzeptkünstler und Bildhauer, außerdem Professor und Präsident an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Wir sprechen mit ihm über seine Installation im Kunstverein Kohlenhof, über Problemlösung in der Kunst und wie er dazu kam, Richters Kerzenbild das Licht auszublasen. von Eva Schickler

Ottmar Hörl, Foto: Werner Scheuermann

Ottmar Hörl, Foto: Werner Scheuermann

gallerytalk.net: Seit den 80er Jahren entwickelst Du neben den Projekten im öffentlichen Raum sehr radikale Werkkonzepte. Für den Kunstverein Kohlenhof in Nürnberg hattest Du im Dezember 2013 eine subversive, raumgreifende Installation mit dem Titel „Do it yourself“ realisiert, in der Du den Künstlerkollegen Günther Uecker beim Wort nahmst, um grundlegende Fragen zu Kunst und Skulptur neu zu verhandeln. Wie kommt es eigentlich zu formal so unterschiedlichen, vielseitigen Arbeiten? Welche Gedanken stehen dahinter?

Ottmar Hörl: Ein Missverständnis – ich komme aus Frankfurt und komme sozusagen aus der politischen Bewegung der 68er. Damals war ich 18 Jahre alt. Und für mich war die Idee, überhaupt Künstler zu werden, eine politische Fragestellung. Doch was ein Künstler ist, wusste ich eigentlich gar nicht so richtig. Auf jeden Fall – um auf das Missverständnis wieder zurück zu kommen – war ich der Meinung, ein Künstler wird dann berühmt – und ich wollte ja berühmt werden, wenn er sich möglichst viel einfallen lässt. Das war aber ein großer Irrtum! Denn die ersten zehn Ausstellungen in der Galerie, in der ich damals ausgestellt habe, sahen jedes Mal ganz anders aus. Und jedes Mal sagten die Sammler, die vorher eine Arbeit gekauft haben, die andere Ausstellung habe Ihnen aber besser gefallen. Irgendwann habe ich gemerkt, das funktioniert nicht. Das Neue verunsichert eigentlich. Aber ich habe eben verschiedene Konzeptionen. Manche Arbeiten habe ich nur ein einziges Mal ausgestellt und dann nie wieder, wie „Black Stone“ zum Beispiel. Und ich muss auch sagen, meine Professoren haben mich auch nicht aufgeklärt. Wenn man dann in einer anderen Stadt ausstellt, kennt das ja dort niemand. Man kann also theoretisch immer das Gleiche ausstellen. Günther Uecker hat jetzt 50 Jahre genagelt, das hat funktioniert.

Ottmar Hörl: „Do it yourself“, Installation, Kunstverein Kohlenhof mit Uecker Multiple im Hintergrund, Foto: Eva Schickler

Ottmar Hörl: „Do it yourself“, Installation, Kunstverein Kohlenhof mit Uecker Multiple im Hintergrund, Foto: Eva Schickler

gallerytalk.net: Du sprichst den Wiedererkennungswert an?

Ottmar Hörl: Ja, genau, diesen Wiedererkennungswert muss man als Künstler irgendwie einhalten. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich das nicht gemacht habe, ich habe dafür auch einen relativ hohen Preis bezahlt.

gallerytalk.net: Bei den Projekten im öffentlichen Raum hat es dann funktioniert. Was ist der Unterschied zur Präsentation im White Cube beziehungsweise im Museum?

Ottmar Hörl: Im öffentlichen Raum sind die Projekte Kommunikationsmodelle. Da geht es eigentlich nicht darum, zu sagen, dass ein Hase oder ein Gartenzwerg Kunst ist, sondern da geht es um die Gesamtskulptur. Das heißt um das temporäre Bild, das entsteht, entsteht über diese Reihungssysteme und diese seriellen Konzeptionen. Da passieren dann natürlich auch Dinge, die sind nicht berechenbar: In den neunziger Jahren hatte ich die große Arbeit mit den Gartenzwergen für die Internationalen Opernfestspiele in München auf dem Max-Joseph-Platz gemacht – schwarze und weiße Gartenzwerge, die grüßen – und bin davon ausgegangen, es gibt einen Skandal. Ein Skandal, dachte ich, ist ja immer gut für einen Künstler. Ich habe mich aber geirrt.  Aber es hat den Menschen so gut gefallen, es wurde plötzlich ein Welterfolg. In der ganzen Welt wurden die Fotos veröffentlicht. So kann es dann auch gehen. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, ich bin davon ausgegangen, die Münchner sind sauer auf mich, weil ich das internationale Opernpublikum mit 4000 grüßenden Gartenzwergen begrüße.

Ottmar Hörl: „Welcome“, München, 1998, Foto: Rainer Schmidt

Ottmar Hörl: „Welcome“, München, 1998, Foto: Rainer Schmidt

gallerytalk.net: Ein Thema, das sich in Deinem Werk kontinuierlich durchzieht, ist die intensive Auseinandersetzung mit der Idee von Kunst und Kunstgeschichte. Du hast schon Arbeiten zu Klassikern wie Dürer gemacht, aber auch zu Gerhard Richter und Ives Klein. Die Installation im Kunstverein Kohlenhof ist eine Referenz an den, für seine Nagelbilder bekannt gewordenen, Kollegen und ZERO-Künstler Günther Uecker. Was war der Impuls zu dieser Arbeit?

Ottmar Hörl: Ich habe immer Arbeiten gemacht über die Kollegen, denn von den Kollegen lernst du ja am meisten. Man versucht die Lücken zu finden, man fragt sich: Was haben die noch nicht gemacht? Als ich das Konzept für den Kunstverein Kohlenhof entwickelt habe, dachte ich mir Uecker, Du hast 1968 ein Auflagenobjekt gemacht mit dem Titel „Do it yourself“. Das ist jetzt 45 Jahre her, das genügt jetzt. Jetzt setze ich diese Handlungsanweisung einfach um. Nur dass keine Missverständnisse entstehen, dass das irgendetwas mit Uecker zu tun hat. Ich habe nur die Handlungsanweisung von Uecker umgesetzt, um als Künstler klarzumachen, wo die eigene Entwicklung herkommt. Das heißt, dass man das einfach klärt, dass ein einziger Künstler die Welt nicht neu erfindet, sondern, dass da viele Kollegen vorher gearbeitet haben und man setzt noch eins drauf, also man entwickelt die Kunst weiter.

gallerytalk.net: Etwas konsequent bis zu Ende zu denken, also an und auf den letztmöglichen Punkt zu bringen, das ist ja charakteristisch für Dich. Deswegen hast Du auch „Eulen nach Athen getragen“ und die „Unschuld-Seife“ produziert, mit der sich theoretisch jeder Deutsche die Hände „in Unschuld“ waschen kann, im Prinzip dasselbe Konzept?

Ottmar Hörl: Naja, das sind Handlungsanweisungen, die sozusagen aus einem Überlebensmodell kommen. „Eulen nach Athen tragen“ kennt ja jeder und da denkst du, das muss endlich jemand machen. Oder die Unschuld-Seife mit einer Auflage von 82 Millionen, da bin ich ja nicht davon ausgegangen, dass ich 82 Millionen verkaufe, sondern ich habe die Verantwortung für 82 Millionen Deutsche übernommen. Ja, aber die Schweizer und Österreicher haben auch viele Exemplare gekauft, es ist jetzt sozusagen nicht mehr komplett. Ich mache gerne Arbeiten, bei welchen man nichts von Kunst verstehen muss, bei welchen die Idee aus der Konsequenz resultiert, so wie bei der Installation ausgehend von Uecker.

Multiple mit Kult-Status: Ottmar Hörl: Unschuld, 1997, Tafelseife in Kunststoffbox Artikel Editionen, Foto: Rainer Schmidt

Multiple mit Kult-Status: Ottmar Hörl: Unschuld, 1997, Tafelseife in Kunststoffbox
Artikel Editionen, Foto: Rainer Schmidt

gallerytalk.net: Günther Uecker hat die Idee schon ziemlich radikal gedacht. Nun hast Du sie gewissermaßen noch auf die Spitze getrieben, in dem Du den Apell „Do it yourself“ tatsächlich umgesetzt hast und zwar gleich als raumgreifende Installation. Die Arbeit ist also faktisch ein temporäres Original von Hörl. Gibt es folglich auch formale Unterschiede? Spielten solche Überlegungen überhaupt eine Rolle?

Ottmar Hörl: Ja, natürlich, der Uecker würde die Nägel ja nie so schlampig irgendwo reinschlagen. Die Nägel ganz gerade in die Wände rein zu schlagen, das hatte ich zuerst vor, das war aber auch vollkommen unmöglich. Naja, habe ich mir dann gedacht, das hat sowas von Poesie, also diese relative Ungenauigkeit, diese relative Unschärfe, die dadurch entstand. Es gibt also hier keine klare Struktur im Unterschied zu Uecker.

Ottmar Hörl beim Aufbau der Installation „Do it yourself“, Foto: Werner Scheuermann

Ottmar Hörl beim Aufbau der Installation „Do it yourself“, Foto: Werner Scheuermann

gallerytalk.net: Und wie viele Nägel wurden für die Raum-Installation etwa verarbeitet?

Ottmar Hörl: 20.000 – ich habe übrigens auch selber genagelt. Es gibt ja hier in Nürnberg die Geschichte, der Künstler Hörl macht nichts selbst, aber das stimmt nicht. Und auch die Lego-Skulpturen habe ich selbst gemacht.

gallerytalk.net: Alles eine einzige Sisyphos-Arbeit?

Ottmar Hörl: Die Skulpturen habe ich im Kunstverein ausgestellt, da sie gut zu dem Thema „Do it yourself“ passen. Und da kann man auch keinen Plan machen, da kann man nur Wochenlang Steine setzen und das kann man eigentlich auch nur selbst machen. Die Fragestellung, die ich hier hatte, war: Wie kann man aus Lego-Steinen eine vernünftige Skulptur bauen, die nicht sofort an Lego erinnert?

Ottmar Hörl: „Black Tube“, 2009, Kunststoff (Lego) Ø ca. 18 cm x 150 cm Foto: Eva Schickler

Ottmar Hörl: „Black Tube“, 2009, Kunststoff (Lego) Ø ca. 18 cm x 150 cm
Foto: Eva Schickler

gallerytalk.net: Das Multiple von Uecker hattest Du in der Installation ganz zentral an der Rückwand präsentiert: Warum war Dir das im Hinblick auf die gestalterische Konzeption wichtig?

Ottmar Hörl: Das ist der Respekt vor den Kollegen, denn ich bin ja froh für jeden Kollegen, der das auch macht. Als Künstler weiß man schließlich auch, wie schwierig dieser Beruf ist. Es gibt eine ganze Reihe von Künstlern, die begleiten einen und die ärgern einen auch, weil sie immer so gute Arbeiten machen und man selbst will ja auch eine gute Arbeit machen. Deswegen symbolisiert es eigentlich großen Respekt für den Kollegen und daraus resultiert, dass man das Werk nur wie eine Ikone behandeln kann.

gallerytalk.net: Ja, wenn man Dein Gesamtwerk längerfristig betrachtet fällt auf: Respekt als künstlerische Haltung spielt eine grundlegende Rolle, vor allem im Umgang mit dem Material?

Ottmar Hörl: Naja, als Bildhauer kannst du nicht arbeiten, wenn du keinen Respekt vor dem Material hast. Du musst das natürliche Talent eines Materials erkennen: Also was kann ein Lego-Stein und was kann er nicht? Würde man jemand zum Physiker machen wollen, der in Mathematik kein Talent hat, das wäre eine traurige Angelegenheit. Das heißt als Künstler hat man die Aufgabe, das natürliche Talent seines Materials zu erkennen, denn nur dann macht es das, was man mit ihm vor hat. Ansonsten wehrt es sich.

Hörl Werke im Kunstverein Kohlenhof, 2013, Foto: Eva Schickler

Hörl Werke im Kunstverein Kohlenhof, 2013, Foto: Eva Schickler

gallerytalk.net: Was ist, wenn ein Museum oder ein Sammler tatsächlich die ganze Raum-Installation kaufen wollte. Ist sie dann günstiger als ein Uecker? Man merkt spätestens jetzt, was so einfach aussieht, ist durchaus komplex und die Arbeit hat tatsächlich das Talent vielschichtige Fragen zu provozieren, die zum Nachdenken anregen – beispielsweise zum Hinterfragen von Strukturen in Kunst, Gesellschaft und Markt? Welchen Stellenwert haben solche Aspekte in Deinem Gesamtwerk?

Ottmar Hörl: Naja, Du hast ja mitbekommen, das Verkaufen an sich hat mich eigentlich nie wirklich interessiert. Es gäbe hier einen Moment, der sozusagen einen gewissen Humor hätte: Dass man für einen Sammler einen Nagel in die Wand schlägt und nimmt fünf Euro dafür, das hätte sozusagen eine Ironie, aber diese Installation ist nicht zu kaufen. Überhaupt, ich verkaufe solche Arbeiten eigentlich nicht, das macht zu viel Arbeit. Ich stelle sie lieber öfter nochmal aus und behalte sie. Ich bin nämlich auch faul. Ich bin nachts schweißgebadet aufgewacht und habe an diesen Lego-Skulpturen sechs Wochen lang gearbeitet. Und irgendwie wurde und wurde es nicht fertig, denn die sind voll mit Steinen. Das sind 35.000 Steine! Zuerst habe ich die kleine Skulptur gemacht und dann war sie zu klein, dann habe ich gleich die Große angefangen und dachte mir zwischendrin: Auf was hast du Blödmann dich da wieder eingelassen?

Ottmar Hörl: „o.T.“, Besenstück im Kunstverein Kohlenhof, Foto: Eva Schickler

Ottmar Hörl: „o.T.“, Besenstück im Kunstverein Kohlenhof, Foto: Eva Schickler

gallerytalk.net: Ja, aber es hat sich gelohnt, denn so hat man Lego ja auch noch nie gesehen, wirklich faszinierend. Man hat das auch an den Reaktionen der vielen Besucher gemerkt. Du schaffst es immer wieder, dem Material verborgene, so noch nie gesehene Dimensionen zu entlocken. Ähnlich ist das ja auch bei den Besenstücken, die Du seit den 90er Jahren machst.

Ottmar Hörl: Das war eine Auseinandersetzung mit dem Monochrom. Was mich bei einem Monochrom immer gestört hat, ist die fehlende Tiefe – bei Öl auf Leinwand oder Farbe auf Leinwand hast du nur eine dünne Fläche. Mich hat aber interessiert, wie man sinnliche Präsenz mit einem Monochrom erzeugen kann, eine Präsenz, die zugleich auch Tiefe hat.

gallerytalk.net: Mal angenommen, alle Menschen der Welt würden es jetzt ernst nehmen würden mit dem „Do it yourself“, wäre das dann das Ende der Kunst?

Ottmar Hörl: Nein, es gibt ja auch nicht so viele Künstler, die diese Handlungsanweisungen geben. Das war jetzt so ein Glücksfall der Geschichte, dass Uecker das einfach so gemacht hat, ohne lange zu überlegen. Er hat wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass jemand das tatsächlich mal macht. Ich habe zwar ironischerweise auch bestimmte Dinge bearbeitet, auch sozusagen als eine Art Handlungsanweisung um Arbeiten zu untersuchen, also dass ich eine Reihe von Kerzenbildern von Richter gemacht habe und habe die Kerzen ausgeblasen. Das war aber eine Auseinandersetzung, bei der ich mir gedacht habe: Wieso kommt ein Richter jetzt darauf so ein Kitschbild zu malen. 1983 hat er eine Ausstellung gemacht und die sind damals nicht verkauft worden, die Kerzenbilder. Und ich habe gedacht: Na, das sieht schon ein bisschen kitschig aus. Manchmal macht man so eine Arbeit, um irgendwie dahinter zu kommen, und dann merkst du, der Richter wusste sehr wohl, was er da gemacht hat, auch diese Idee von Kitsch. Er hat nicht ein Kerzenbild gemalt, sondern eine ganze Reihe. Daran hat man gemerkt, es ist ihm ernst. Das ist ja oft auch bei mir der Fall, dass ich nicht eine Arbeit mache, sondern ich mache 10.000 um zu unterstreichen, es ist mir tatsächlich ernst. Auch wenn das Material unter Umständen fragwürdig ist, in dem Moment ist es eine ernste Angelegenheit.

Ottmar Hörl: „Kerze“, 2010 Druck auf Leinwand 100 x 100 cm (Gerhard Richter 1982)

Ottmar Hörl: „Kerze“, 2010 Druck auf Leinwand 100 x 100 cm (Gerhard Richter 1982)

gallerytalk.net: Die Kerzen-Arbeit ist aus Deiner Werkserie „Anmerkungen“, an der Du seit 2009 arbeitest. Ein brandaktuelles Thema. Damit spielst Du auch auf die Verfügbarkeit von Bildern in Katalogen und im Internet an, also auf unsere Wahrnehmung von Kunst und Wirklichkeit. Aber die Arbeiten mit den Gartenzwergen, waren die auch eine ernste Angelegenheit?

Ottmar Hörl: Ja, ich habe die erste Arbeit mit Gartenzwergen 1983 gemacht und bin richtig auf die Nase gefallen. Das hatte überhaupt niemand interessiert. Aber mich hat es als Bildhauer interessiert, die diskreditierteste Figur in Deutschland zu bearbeiten, also nicht eine Skulptur, die jeder toll findet. Das hat mich nicht interessiert, weil mich Kunst ja nie interessiert hat. Mich hat ja nur die Idee des Künstlers interessiert, diese totale Unabhängigkeit, sozusagen nicht in einem nützlichen Zusammenhang zu stehen. Da ich ja Maschinenbau-Ingenieur von Beruf war und bis zu meinem 27. Lebensjahr immer etwas Nützliches gemacht habe, war sozusagen dann die andere Konzeption, dass du Probleme zu löst.

gallerytalk.net: Also Problemlösung durch Kunst und in der Kunst.

Ottmar Hörl: Ja, fast alle meine Arbeiten sind Problemlösungen.

gallerytalk.net: Und welches Problem wurde bei Deiner aktuellen Videoarbeit „Das letzte Kunstwerk“ gelöst? Worum handelt es sich dabei?

Ottmar Hörl: Es heißt ja immer: „Ottmar Hörl, der Künstler, ist seiner Zeit voraus.“ Da habe ich mir gedacht, wenn der Künstler seiner Zeit angeblich voraus ist – was ja nicht stimmt, denn kein Künstler ist seiner Zeit voraus, aber wenn die Gesellschaft so denkt, dann kann ich ja eine Arbeit dazu machen. Also mache ich gleich „Das letzte Kunstwerk“. Denn irgendwann in Milliarden von Jahren wird die Erde durch die Leuchtkraftzunahme der Sonne langsam schmelzen, das wissen wir, das können wir uns ausrechnen. Okay, dachte ich mir, dann muss das endlich einer machen, also machst du „Das letzte Kunstwerk“, warum soll ich warten, bis es ein anderer macht? Und dann mache ich auch gleich „Das vorletzte Kunstwerk“, denn ich bin davon ausgegangen, da gibt es dann noch eine ganze Reihe von Kunstwerken, die bis dahin gemacht werden müssen.

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Ottmar Hörl: Das letzte Kunstwerk, Videoloop auf DVD, Edition in Alukassette, ausgestellt im Kunstverein Kohlenhof, S/W Fotos: Eva Schickler

Ottmar Hörl: Das letzte Kunstwerk, Videoloop auf DVD, Edition in Alukassette, ausgestellt im Kunstverein Kohlenhof, S/W Fotos: Eva Schickler

Vielen Dank für das Interview!

In Ingolstadt kann man sich noch bis Samstag, den 12. April, in der Galerie von Mariette Haas aktuelle Werke von Ottmar Hörl anschauen, darunter auch Lego- Skulpturen und Textbilder. Vom 12. bis 27. April wird in Aachen das Großprojekt „Karl der Große“ und im Juni „Goethe“ in Frankfurt realisiert.

www.kunstvereinkohlenhof.de
www.ottmarhoerl.de
www.galerie-haas.de
Video-Interview Ottmar Hörl zum Projekt „Karl der Große“

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