Fünf Jahre – fünf Fragen

(über GalleryTalk Interview)

an die Meisterschüler von Professor Ralph Fleck der AdBK Nürnberg, deren Studium nun zu Ende geht.

Von links nach rechts: Jan Gemeinhardt, Kirill Schröder, Anna Maria Schönrock, Foto: © Constanze Hofmann
Von links nach rechts: Jan Gemeinhardt, Kirill Schröder, Anna Maria Schönrock, Foto: © Constanze Hofmann

Anna Maria Schönrock (*1989)studiert seit 2008 in der Klasse Fleck Freie Malerei.

Gallerytalk: Wie wurden Sie Meisterschülerin?

Anna Maria Schönrock: An der AdBK Nürnberg wird der Meisterschülertitel durch den Professor vergeben, die Wahl ob jemand zum Meisterschüler ernannt wird, liegt daher vollständig in seinem Ermessen und erfolgt nach den dem Professor eigenen Kriterien. Diese sind dabei von Professor zu Professor unterschiedlich und auch an den verschiedenen Akademien und Hochschulen unterscheidet sich das Verfahren. Kontinuirliches Arbeiten und eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen künstlerischen Position sind jedoch Grundvoraussetzungen um das Studium erfolgreich zu begehen und abzuschließen, ob mit Meisterschülertitel oder ohne.

Anna Maria Schönrock: Detail aus: Anywhere but here, Öl auf Leinwand, 150cm x 130 cm, 2012. Foto: © Constanze Hofmann

Anna Maria Schönrock: Detail aus: Anywhere but here, Öl auf Leinwand, 150cm x 130 cm, 2012. Foto: © Constanze Hofmann

Gallerytalk: Welche Entwicklungsschritte sehen Sie bei sich?

Anna Maria Schönrock: Natürlich hat sich in den 5 Jahren viel getan und verändert. Ich bin ohne großes Vorwissen über Malerei und das aktuelle Kunstgeschehen an die Akademie gekommen. Jetzt weiß ich etwas mehr.
Man kann da keine Entwicklungsschritte nennen, nichts bestimmtes was sich getan hat. Es hat sich sicherlich vieles verändert, man hat Erfahrungen gemacht positiv wie negativ. Künstlerisches Arbeiten ist ein Prozess, der eine Aneinanderreihung von Erfahrungen, Erkenntnissen und Rückschlägen ist und der nach dem Studium ebenso weiterläuft wie er davor und währenddessen abgelaufen ist.

Anna Maria Schönrock: Jihee, Öl auf Papier, 21 cm x 15 cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Anna Maria Schönrock: Jihee, Öl auf Papier, 21 cm x 15 cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Gallerytalk: Wie wirkt sich die „kleine Klasse“ von drei Meisterschülern auf Ihre Arbeit aus?

Anna Maria Schönrock: Durch die Ernennung zum Meisterschüler ändert sich für die Studenten und das Klassengefüge nichts, das Studium läuft genauso, im bestehenden Klassenverband weiter.

Gallerytalk: Haben Sie konkrete Vorbilder und wenn ja, welche?

Anna Maria Schönrock: Ich habe keine konkreten Vorbilder, es gibt viele Maler, deren Arbeiten ich mag, z.B. Michael Borremans oder Nicola Samori, aber ein wirkliches Vorbild gibt es nicht.

Anna Maria Schönrock: Detail aus: Eisvogel, Öl auf Leinwand, 60cm x 40 cm, 2012. Foto: © Constanze Hofmann

Anna Maria Schönrock: Detail aus: Eisvogel, Öl auf Leinwand, 60cm x 40 cm, 2012. Foto: © Constanze Hofmann

Gallerytalk: Welche Zukunftspläne haben Sie?

Anna Maria Schönrock: Der Plan ist:  von meiner Arbeit leben zu können.  Eventuell noch einen Aufbaustudiengang oder sogar ein Zweitstudium in einem künstlerischen Fach zu beginnen, an einer anderen Hochschule, um einen Einblick in neue Arbeitsweisen und Perspektiven in Bezug auf die eigene Arbeit zu erhalten.

Jan Gemeinhardt: Detail aus: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 30x40cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Jan Gemeinhardt: Detail aus: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 30x40cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Jan Gemeinhardt (*1988) ist seit 2012 Meisterschüler bei Professor Ralph Fleck:

Gallerytalk: Wie wurden Sie Meisterschüler?

Jan Gemeinhardt: Der „Meisterschüler“ ist ein Titel, der einem vom Professor, dessen Klasse man besucht, verliehen wird. Es ist quasi eine Auszeichnung und eine Wertschätzung des Professors für die künstlerische Arbeit oder für die Entwicklung, die man während des Studiums in der Klasse durchlaufen hat

Gallerytalk: Welche Entwicklungsschritte sehen Sie bei sich?

Jan Gemeinhardt: Ich würde schon technisch gravierende Veränderungen und Verbesserungen in meiner Arbeit sehen. Am Anfang des Studiums herrscht eine allgemeine Unsicherheit sowohl darin was man tut als auch wie man es umsetzt. Doch während des Studiums an der Akademie bekommt man die Zeit sich zu finden und es werden neue Wege und Ansätze aufgezeigt, die man in seinen Entwicklungsprozess einfließen lassen kann. Man wird sicherer in seiner Arbeit und kann dem „roten Faden“ folgen, den man sich selber erarbeitet.

Jan Gemeinhardt mit: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 30x40cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Jan Gemeinhardt mit: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 30x40cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann

Gallerytalk: Wie würden Sie Ihren heutigen Stil beschreiben?

Jan Gemeinhardt: Ich bin kein Freund der Verallgemeinerung und möchte auch nicht zwingend irgendetwas zugeordnet werden, da ich mir einen Raum zur Entfaltung für meine Arbeit freihalten möchte. Ich würde meiner Arbeit aber schon einmal das Kennzeichen Gegenständlichkeit geben, des Weiteren bin ich ein Freund der romantischen Malerei, die bestimmt auch einen Einfluss in meine Arbeit hat. Ich mag das seltsame, melancholische und wechselseitige, zweischneidige oder paradoxe und das ruhige. Allerdings würde ich nicht verallgemeinernd von einem Stil bei meiner Arbeit sprechen. Ich denke das Einteilen in Stilrichtungen und Kunstbewegungen überlasse ich den Kunsthistorikern.

Gallerytalk: Wie wirkt sich die „kleine Klasse“ von drei Meisterschülern auf Ihre Arbeit aus?

Jan Gemeinhardt: In unseren Klassen sind alle Semesterzahlen gemeinschaftlich vereint, so auch die Meisterschüler. Wir sind Bestandteil der Klasse genauso wie Studenten des ersten oder zehnten Semesters, wodurch ein Austausch unter den verschiedenen Jahrgängen gegeben ist, der die Studenten unabhängig der Semesterzahl beeinflusst und inspiriert.

Jan Gemeinhardt: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 24 x 30 cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Jan Gemeinhardt: Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 24 x 30 cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Gallerytalk: Welche Zukunftspläne haben Sie?

Jan Gemeinhardt: Man wünscht sich natürlich, dass man immer mehr Menschen mit seinen Arbeiten erreicht und begeistert und damit seinen Bekanntheitsgrad ausdehnt. Außerdem wäre es natürlich sehr schön, wenn man gut von seiner Arbeit leben kann, um seiner Berufung und dem „roten Faden“ weiter folgen zu können. Weitere Ausstellungen in der Zukunft und weitere Entwicklungsschritte bezüglich der eigenen Arbeit werden natürlich ebenso angestrebt.

Kirill Schröder: Detail aus: Trauerzug II, Grafit und Tusche auf Papier, 32x50cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Kirill Schröder: Detail aus: Trauerzug II, Grafit und Tusche auf Papier, 32x50cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Kirill Schröder besuchte vor der Klasse Fleck die Klasse Hartmann an der AdBK Nürnberg:

Gallerytalk: Welche Entwicklungsschritte sehen Sie bei sich?

Kirill Schröder: Ich bin nicht mehr gar so blauäugig wie am Anfang des Studiums. Man muss viel arbeiten und sich beharrlich selbst motivieren. Auch der Blick auf die eigene Arbeit hat sich verändert. Man lernt in den Jahren doch einiges über Kunst und Künstler und ein wenig über sich selbst. Was zum Beispiel dazu führt, dass Dinge die am Anfang aus einer Intuition entstanden heute bewusster gesetzt sind.

Gallerytalk: Wie würden Sie Ihren heutigen Stil beschreiben?

Kirill Schröder: Ich tue mich schwer meine Arbeit zu beschreiben, dabei habe ich das Gefühl mich durch das Ausformulieren fest zu nageln. Vielleicht beschließe ich morgen eine 180 Grad Drehung zu machen und komplett anders zu Arbeiten. Wahrscheinlich nicht, aber die Möglichkeit lasse ich mir gerne offen.

Kirill Schröder: Detail aus: Trauerzug III, Grafit und Tusche auf Papier, 50x77cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Kirill Schröder: Detail aus: Trauerzug III, Grafit und Tusche auf Papier, 50x77cm, 2012, Foto: © Constanze Hofmann.

Gallerytalk:  Wie wirkt sich die „kleine Klasse“ von drei Meisterschülern auf Ihre Arbeit aus?
Bei uns bilden die Meisterschüler keine eigene Klasse wie an manch anderen Akademien. An der A.d.b.K. Nürnberg studieren in einer Klasse alle Jahrgänge vom Erstsemester bis zum Absolventen. Das hat den Vorteil, dass jüngere Jahrgänge sich von den älteren Tipps und Tricks abschauen können und durch Neuzugänge frischer Input in die Klassen kommt.

Gallerytalk: Haben Sie konkrete Vorbilder und wenn ja, welche?

Kirill Schröder: Am Anfang des Studiums gab es schon Vorbilder. Mit zunehmendem Studium haben sich solche Vorbilder aufgelöst, vielleicht weil die eigene Arbeit zunehmend eigenständiger, sicherer geworden ist.  Es gibt aber natürlich nach wie vor Künstler die mich beschäftigen und deren Arbeiten ich schätze, zumindest Teile davon. Unter anderem Tom Poulton und Dasha Shishkin.

Gallerytalk: Haben Sie ein „Lieblingswerk“ und wenn ja, warum ist es Ihnen wichtig?

Kirill Schröder: Das „Lieblingsbild“ habe ich nicht, aber ich mag zum Beispiel „Men who love dragons too much“ von Dasha Shishkin sehr gerne. Ich finde gut wie sie ihre Linien setzt und ich mag die verschachtelten Handlungen in den Bildern.

Kirill Schröder: Detail aus: Ohne Titel, Grafit und Tusche auf Papier, 80x121cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann.

Kirill Schröder: Detail aus: Ohne Titel, Grafit und Tusche auf Papier, 80x121cm, 2013, Foto: © Constanze Hofmann.

Gallerytalk: Vielen Dank an Anna Maria Schönrock, Jan Gemeinhardt und Kirill Schröder für das Interview.

Ausstellung: Meisterschüler Prof. Ralph Fleck
Jan Gemeinhardt. Anna Maria Schönrock, Kirill Schröder
WANN: 20. – 26. Juni 2013
WO: Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Bingstraße 60, 90480 Nürnberg

Das Interview führte Constanze Hofmann

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