Im Bild über Susanne Kühn – neue Professorin an der Nürnberger Kunstakademie

(über GalleryTalk Interview)

Nicht an vielen Orten ist es möglich, dass ein überdimensionales, perfekt gebratenes Spiegelei an der Wand hängt. Und darunter ein frisches Müsli mit dunkelroten Himbeeren und knackigen Kürbiskernen. Im Pavillon 15 der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ist es möglich. Hier riecht es nach Ölfarbe und Arbeit. Dicke Farbschichten trocknen im weichen Sonnenlicht vor sich hin.

Wir freuen uns, an diesem Ort die neue Professorin der Malereiklasse, Susanne Kühn, zu treffen. Direkt an ihrem neuen Arbeitsplatz beziehungsweise – neben ihrem eigenen Atelier – an ihrer zweiten Arbeitsstätte.

Im Atelier der Klasse Kühn, Foto: Hannah Gebauer

Im Atelier der Klasse Kühn, Foto: Hannah Gebauer

Gallerytalk.net: Anlass für unser Interview ist der Antritt Ihrer Professur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Wie sehen die Grundzüge Ihrer Lehre aus, die Sie den Studierenden vermitteln wollen?

Susanne Kühn: Im Zentrum meiner Lehre wird die Malerei als künstlerischer Prozess stehen, der von der subjektiven Wahrnehmung und der individuellen Verarbeitung unseres persönlichen und gesellschaftlichen Umfeldes beeinflusst wird.
Ich möchte meinen Studenten neben den technischen Grundlagen vor allen Dingen malerische Formensprachen vermitteln, um einen künstlerischen Ausdruck zu erlangen und ein visuelles Konzept zu entwickeln. Das ist ein langwieriger Weg, der viel Selbstreflexion, Ausdauer und Neugier erfordert. Ich halte Neugier und Beharrlichkeit, Experimentierfreudigkeit und den Willen, etwas auszudrücken, für wichtige Grundeigenschaften, um sich in einem Kunststudium entwickeln zu können. Die künstlerische Entwicklung wiederum ist davon abhängig, was und wie viel man lernt. Diesbezüglich möchte ich nicht nur Werke besprechen, sondern auch kunstkritische Texte heranziehen. Und in Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen sowohl die Werke der Studenten kennen lernen als auch Kernthemen heutiger Künstler behandeln wie die Möglichkeiten der Selbstinszenierung, die Malerei als zeitgenössischer künstlerischer Ausdruck oder das Spannungsverhältnis von Bildinhalt und künstlerischer Intention.

„Möglichkeiten der Selbstinszenierung“ – das klingt höchst interessant. Nutzen Sie diese Möglichkeiten denn für sich?

Absolut, denn sobald man sich in irgendeiner Weise öffentlich präsentiert, kann man die Selbstinszenierung kaum umgehen. Das wird oft unterschätzt. Doch es gibt so viele Entscheidungen, die die Fremdwahrnehmung beeinflussen können. Angefangen bei der Frage, wie viele und welche Portraits im Internet kursieren oder wie ich meine Webseite gestalte, bis hin zur Entscheidung, wie viele Bilder ich in eine Ausstellung hänge, ganz zu schweigen davon welche. Wichtig ist es mir, ein Bewusstsein für diese Außenwirkungen weiterzugeben. Eine ehrliche Arbeit sich selbst gegenüber reicht leider nicht, um sich als Künstler zu präsentieren. Doch man kann diesen Effekt positiv für sich nutzen und durch das eigene Auftreten ein bewusstes Statement setzen.

Susanne Kühn, neue Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, Foto: Hannah Gebauer

Susanne Kühn, neue Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, Foto: Hannah Gebauer

Selbstverständlich interessieren sich die Studierenden und die Hochschule auch für Ihre eigene Arbeitsweise. Sie haben für sich einen Prozess gefunden, bei dem Sie an mehreren Gemälden gleichzeitig arbeiten, um verschiedene Perspektiven und Interpretationen einer Bildidee zu untersuchen. Kommt es dabei vor, dass Sie schon während des Malens eines dieser Bilder bevorzugen?

Natürlich gibt es Bilder, die stärker mit mir kommunizieren und mir dadurch viel zugänglicher sind. Im Gegensatz dazu gibt es Arbeiten, die sich mir anfangs verweigern. Doch gerade diese Fälle sind oft die interessanten, da ich mich an ihnen reiben muss und so weiterentwickeln kann. Oft bin ich gezwungen, Pausen einzulegen, um wieder den nötigen Abstand zu gewinnen. Aufgrund dieser Wechselphasen zwischen Kontakt und Distanz nähere ich mich dem Ergebnis Schritt für Schritt. Gleichzeitig habe ich immer wieder die Möglichkeit, mich den mir momentan eingängigeren Motiven zu widmen. Durch diesen Malprozess entsteht ein formaler und inhaltlicher Zusammenhang zwischen verschiedenen Gemälden.

Eine weitere Frage zu Ihrem eigenen Schaffen: Es fällt auf, dass Darstellungen von Kindern und Männern sehr selten vorkommen. Was könnte diese Vorliebe für Frauen als Bildmotive begründen? Was würden Männer und Kinder für Sie im Gegensatz zur Frau symbolisieren?

Für mich stellt sich nicht die Frage, ob ich eine Frau, einen Mann oder ein Kind malen möchte, sondern was das Gemälde, also die Komposition, die Atmosphäre und die Dynamik des Bildes verlangt. Die Funktion der Figur besteht ja darin, eine Spannung aufzubauen, die es zu festigen, aber auch zu verändern gilt. Die Figur der Frau überwiegt in meinen Arbeiten, weil sie diese Rolle bisher am besten ausgefüllt hat.

Fühlen Sie sich durch die starke Fokussierung auf das Symbol der Frau ihn Ihrem Werk manchmal missverstanden?

Nein, ganz und gar nicht, schließlich ist es offensichtlich, dass vorwiegend Frauen in meinen Bildern auftauchen. Durch die großen Formate werden sie zudem meist beinahe lebensgroß gezeigt, wodurch eine Identifikation geradezu unumgänglich wird. Natürlich entwickeln sich im öffentlichen Diskurs neue und andere Interpretationen. Auch wenn diese nicht meiner Intention entsprechen, betrachte ich sie nicht als Missverständnis, sondern sehe sie als eine Bereicherung an. Das Werk gewinnt dadurch an Komplexität. Nicht zuletzt ist es ein wichtiger Teil des künstlerischen Arbeitens, die Dinge loszulassen und die Kontrolle abzugeben, sobald die Werke das Atelier verlassen.

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