Künstler! Werke! Galeristen!

(über GalleryTalk Interview)

Im letzten Jahr hat das kleine, aber feine Galeriewochenende das sommerliche Nürnberg erfrischt. Wer die namhaften Galerien der Stadt an einem Ort erleben will, ist hier genau richtig.
Nach der heißen Diskussion über den Umgang mit dem historischen Rathaussaal wird vom 8. bis 10. August wieder gemacht, was Agnes Dürer damals dort tat: Kunst gezeigt und verkauft. Julia Lehner, die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, beantwortet uns 5 Fragen zur RathausArt 2014:

gallerytalk.net: Das Konzept der RathausArt hat 2013 nicht nur 4500 Besucher angelockt. Sind die Galerien vom letzten Jahr wieder dabei oder dürfen wir uns auf viele neue Aussteller freuen?

Julia Lehner: 2014 treffen wir auf einige neue Namen. Erstmals dabei sind die Galerie Atzenhofer, der KunstKontor Nürnberg und die Galerie Sturm. Etabliert haben sich die Galerie BunsenGoetz aus Erlangen, die Galerie Von & Von, das Bühlers aus Fürth oder der Raum für zeitgenössische Kunst. Hochengagiert auch die Oechsner Galerie, die Galerie Pfaff oder LS LandskronSchneidzik. Und wenn man sieht, wie lange die Galerien Lutz, Hafenrichter, Voigt oder Bode schon die lokale Galerieszene prägen, dann weiß man, hier überzeugt langjährige Erfahrung und hohe Qualität.

Ramon de Jesus macht uns den Dürer. Foto: r.f.z.k

Ramon de Jesus macht uns den Dürer. Foto: r.f.z.k

Gerne würden wir noch viel mehr Galerien zeigen, aber der begrenzte Platz im Rathaus ist „Fluch“ und „Segen“ zugleich. Er sorgt dafür, dass wir einen sorgfältigen Auswahlprozess durch den Beirat der RathausART durchführen und gibt das Ziel vor: Klein, aber fein ist die Nürnberger RathausART. Es geht uns um Klasse!

gallerytalk.net: Die Veranstaltung begrenzt sich nicht auf bestimmte Genres. Malerei, Videoarbeit, Designobjekte und Skulpturen – das Angebot zeigt die Vielfalt der Portfolios. Gibt es in diesem Jahr Beiträge, auf die Sie sich besonders freuen?

Julia Lehner: Alle Galeristinnen und Galeristen haben für die RathausART eine eigene Präsentation erarbeitet. Wir verzichten bewusst auf ein Motto, denn wir möchten die jeweiligen Galerieprofile und damit die Vielfalt herausstellen.

Mich freut es sehr, dass heuer auffallend viele junge Künstlerinnen und Künstler zu sehen sind. Einige Galerien setzen bewusst auf Solo-Shows, was für einen Galeristen ja immer ein Risiko darstellt. Die Oechsner Galerie lässt Markus Putze schon seit geraumer Zeit in seinem Atelier direkt auf die Galeriewände malen und wird diese dann in die Standarchitektur einbauen. Ich bin gespannt, wie potentielle Käufer damit umgehen.

Im Zimmer 9 bieten wir einen Videoschwerpunkt. Matthias Danbergs animierter Film schafft Bezüge zu Kunst und Kino und ist mit seiner ästhetisch-apokalyptischen Bildsprache ein echter Anreiz für Fans der Kunst, des Science Fiction und der Games-Kultur.

Das Bühlers aus Fürth zeigt die Videoarbeit „Inner Salt“ von Matthias Danberg.

Die RathausART soll auch Menschen anlocken, die vielleicht noch nie eine Galerie betreten haben oder Künstler, die auf der Suche nach einem Galeristen sind. Hier findet man die Besten auf einen Blick. Nicht umsonst legen wir Wert auf ein hochwertiges Begleitprogramm, das im Idealfall einen Einblick in das künstlerische Schaffen ermöglicht. So wird z.B. Joe Made This im Innenhof mit Finelinern arbeiten, Leszek Skurski live ein Portrait malen und Ariane Kipp eine Performance anbieten. Viele Künstlerinnen und Künstler sind am Stand und führen ihre Arbeitstechniken vor. Wer selber aktiv werden möchte, darf sich in unseren Mitmach-Werkstätten austoben.

gallerytalk.net: Das Galeriewochenende verschreibt sich zusätzliches einem Motto: Dürer-Jahr 2014. Wieviel Dürer darf es für die RathausArt sein?

Julia Lehner: Die RathausART hat kein Motto, aber sie findet im Rahmen unseres jährlichen Dürer-Schwerpunkts statt. Das ist kein Zufall, ebenso wenig wie der Ort. Einst verkaufte Albrecht Dürers Ehefrau Agnes im Rathaus die Kunst ihres Mannes als eine, wenn man so will, erste „Galeristin“ der Renaissance. Die RathausART schlägt die Brücke von der Dürerzeit ins 21. Jahrhundert und knüpft an die Tradition der Kunstpräsentation im Rathaus an. Das Rathaus soll wieder Kunstort werden.

Bruno Kurz: Osternacht, Foto: Atelier Bruno Kurz

Bruno Kurz: Osternacht, Foto: Atelier Bruno Kurz

Die Galeristinnen und Galeristen suchen heuer auffällig häufig den Dürer-Bezug. Das ist nachvollziehbar, denkt man daran, dass die Nürnberger Bürgerinnen und Bürger gerade erst im Mai über den Umgang mit dem Historischen Rathaussaal abgestimmt haben.

Ein gutes Beispiel für den Dürer-Bezug auf der RathausART 2014 ist der erstmals durchgeführte „Raum der Zeichnung“ im Historischen Rathaussaal hinter dem Vischer-Gitter. Dort wird Peter Riek ein Gesamtkunstwerk schaffen und arbeitet live während der gesamten RathausART an einem Teppich. Er beschäftigt sich dabei mit den Tugenden, die Albrecht Dürer in seiner Rathausmalerei „Die Verleumdung des Appelles“ zeigte, die sich einst direkt an der Nordwand in diesem Teil des Saales befand. Sie zeigte einen Richter, mit Eselsohren als Dummkopf gekennzeichnet, und seine falschen Ratgeber als Personifikation der Untugenden Verleumdung, Neid oder Betrug. Wahrheit, Unschuld und Reue versuchen den Richter vor dem Falschurteil zu bewahren.

Bezug auf Dürer nimmt auch eine witzige Galerieaktion der Künstlergruppe „Verwertungsgesellschaft“, die mit Nudeln und Streichholzschachteln den Beweis antritt, dass ein „Teil von Albrecht Dürer leider schnell verschwunden ist“. Probieren Sie es aus!

An die Glaswerke von Till Augustin werden sich die meisten erinnern. In diesem Jahr kommt er mit „Laokoon II“. Foto: Till Augustin.

gallerytalk.net: Galerien, Museen, Akademie und Kunstvereine: Dass Nürnbergs Kunstszene viel zu bieten hat, ist keine Phrase. Recht neu in der Stadt hingegen sind SupermArt und RathausArt. Zwei gegensätzliche Konzepte?

Julia Lehner: Die RathausART nennt sich „Ein Galeriewochenende“ und wird von vielen Galerien gestaltet, der SupermART ist eine Präsentation einzelner Künstlerinnen und Künstler quasi in Form einer kuratierten Verkaufsausstellung. Insofern muss man von zwei verschiedenen Konzepten und Ausrichtungen sprechen.
Eine gemeinsame Klammer gibt es wohl. Laurentiu Feller, Veranstalter des wirklich originellen SupermART, ist mit seinem Raum für zeitgenössische Kunst auch auf der RathausART vertreten. Der SupermART fasziniert, weil er vor allem junge, unbekannte urbane Kunst zeigt und man schon für 5 Euro ein Blatt mit nach Hause nehmen kann. Die Bandbreite auf der RathausART ist größer. Hier hängt neben dem Akademieabsolventen auch mal ein sündhaft teurer Richter. Beide Formate beweisen einmal mehr: Nürnberg ist eine Stadt der Kunst.

Edgar Diehls arbeitet konkret: „MSE XVII“.

gallerytalk.net: Art Cologne, Stroke Art Fair, Art Basel, RathausArt Nürnberg. Zukunftsmusik oder Tagträumerei?

In Nürnberg muss man nicht träumen. Wir haben deutlich mehr zu bieten in Sachen Kunst, als es die viel zitierte fränkische Bescheidenheit zugibt. Die Galerieszene entwickelt sich seit etlichen Jahren wieder sehr positiv. Sowohl 2014 wie auch im vergangenen Jahr waren neue Namen dabei, die gerade erst in der Region eröffnet haben. Und genau hier liegt auch unser Fokus, auf der Region. Keiner will sich mit einer Art Cologne oder Art Basel messen. Erstens verfügen wir über einen sehr beschränkten Platz und zweitens steht hinter der RathausART auch eine etwas andere Konzeption.

Wir sehen in diesem Format ein wichtiges Förderinstrument für die regionale Kunst. Galerien sind Mittler der Künstlerinnen und Künstler und helfen ihnen, auf dem Markt zu bestehen. Genau diese Instrumente brauchen wir auch in Nürnberg, um eine solide wirtschaftliche Basis für eine blühende Kunstszene zu schaffen. Insofern darf man sagen, die RathausART ist einerseits eine regional ausgerichtete Fördermaßnahme, andererseits wollen und sollen die Galeristinnen und Galeristen ihre Kunst im Rathaus auch verkaufen. Schließlich wollen auch Künstlerinnen und Künstler in Nürnberg von ihrer Kunst leben.

gallerytalk.net: Vielen Dank, Frau Lehner, für Ihre Antworten und ebenso großen Dank an Agnes Dürer, die Nürnberger Erzgaleristin.

WANN: 8. bis 10. August 2014. Fr: 17-22 Uhr, Sa./So.: 11-20 Uhr
WO: Rathaus Nürnberg, Rathausplatz 2, 90403 Nürnberg

Unsere Interviewpartnerin Prof.  Julia Lehner

Unsere Interviewpartnerin die Kulturreferentin Prof. Julia Lehner
Foto: Peter Roggenthin, Nürnberg

Solo für Markus Putze: Ausstellung „Amplifier“, Galerie Jarmuschek Berlin, 2007, Foto: Ioni Laibarös

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