Meist passen die Größenverhältnisse nicht

Ein Gespräch über die Chancen von der EU gefördert zu werden

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Vor kurzem hat bayernkreativ eine aktualisierte, kompakte Übersicht über die EU-Förderprogramme ins Netz gestellt, die für die Kultur- und Kreativschaffenden in Bayern besonders relevant sein können. Wir sprechen mit Oliver Wittmann, Branchenexperte und Referent bei bayernkreativ für Finanzierung, über seine Einschätzung, wie hilfreich EU-Förderung überhaupt für die Kultur- und Kreativwirtschaft ist.

mehrwertzone: Hallo Oliver. Was ist das Grundprinzip bei den EU-Förderungsprogrammen für die Kultur- und Kreativwirtschaft?

Da die Förderung von Kreativität bei der Europäischen Union als Querschnittsthema gesehen wird, sind die EU-Fördermöglichkeiten für Kultur- und Kreativunternehmen auf viele verschiedene Programme verteilt. Diese Programme sind so vielfältig in Ihren Zielen und höchst unterschiedlich in Ihren Anforderungen, dass man nur schwer von einem Grundprinzip sprechen kann. Bei den großen Projekten ist oft das Konsortialprinzip wichtig, bei dem man mit mind. drei Partnern aus drei Ländern agieren muss. Die Antragsverfahren sind in diesen Fällen allerdings sehr aufwendig, es braucht viel Zeit und Ausdauer, am besten arbeitet man mit Institutionen zusammen, Kommunen, Hochschulen, die da schon Strukturen haben. Und der Konsortialführer, also der Leading Partner sollte nicht in Deutschland sein, damit nicht alles bei den großen EU Ländern alleine liegt.

mehrwertzone: Lohnt sich denn der Aufwand? Und welche Voraussetzungen braucht es zur Antragstellung?

Es ist wie mit jeder Akquisearbeit, man muss Kosten und Nutzen abwägen, sollte lieber etwas aufbauen, das man langfristiger betreibt. Nur für einen Antrag Partner zu suchen, weniger  sinnvoll. Also legt man die Partnersuche idealerweise längerfristig an. Ergebnis von der Veranstaltung im Hub, bei der wir zahlreiche Experten eingeladen hatten, war, dass die EU Förderung für das Einzelunternehmen, Mikrounternehmen, schwierig sein kann. Da passen die Größenverhältnisse nicht immer.  Da wäre es von Vorteil, einen Mitarbeiter zu haben, der nichts anderes macht, als sich um die Partner und die Förderprogramme und -richtlinien kümmert. Das kann man nicht so einfach stemmen.

IMG_4727mehrwertzone: Welche der Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft kann sich denn am ehesten Chancen ausrechnen, gefördert zu werden?

Die Aktuelle Ausschreibung vom IKT-Instrument des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 ist technologisch orientiert, da liegt Software/Games immer näher. Wenn Designer eine App-Entwicklung machen, dann geht das eher durch oder Werkstoffentwicklung für den Modebereich, alles was mit technologischer Innovation zu tun hat. Erfahrungswerte, die man so sammelt, zeigen, dass z.B. Filmförderung über EU-Mittel selten ist, vermutlich weil die Inlandsförderung durch Bund und Länder schon so stark ist.

mehrwertzone: Wenn die Förderung eine Tendenz zur Technikaffinität hat, was sagen denn die Erfahrungswerte, funktioniert das für die klassischen Kulturbranchen überhaupt?

Das Programm „Creative Europe“ ist da interessant, das sind aber in der Regel Riesenprojekte wie Netzwerke und Plattformen mit langer Laufzeit und zahlreichen Partnern. Das kann funktionieren. Ich habe das mal im tanzhaus nrw erlebt, die waren schon seit Jahren mit Ensembles und Produktionsfirmen aus anderen europäischen Ländern vernetzt. Die hatten über Jahre Förderstrukturen und ein stabiles Netzwerk zusammengestellt und kannten sich und hatten daher keine Schwierigkeiten, Partner zu finden – Freie Gruppen, Vereine, staatliche Einrichtungen. Die trauen sich dann leichter zu, an Projekte zu gehen, falls einer weg fällt. Vor ein paar Jahren wurde ja in den Niederlanden die staatliche Kulturförderung radikal gekürzt, da fällt dir dann ein Partner weg. Es ist also schlauer, es mit sieben oder acht Partner zu machen.

mehrwertzone: Das ist ja erst mal klassisches Vernetzen?

Genau. Klassisches Vernetzen ist nie verkehrt.

mehrwertzone: Welche Unterstützung könnt ihr denn vom Bayerischen Kultur- und Kreativzentrum konkret bei Fragen zur EU-Förderung leisten?

Tatsächlich ist das alles so komplex, dass einem nur die jeweiligen Kontaktstellen sagen können, welche Chancen ein Antrag hat und was benötigt wird. Wir versuchen im Vorfeld die Suche zu erleichtern und Wegweiser zu sein und das allein kann ja schon zwei Tage Recherche ersparen. Wenn man tiefer reingeht, muss man sich aber wirklich gut auskennen, daher haben wir eine Übersicht über die Programme und Ansprechpartner (bayernkreativ.de/eu-foerderung) geschaffen.

mehrwertzone: Zum Schluss: Dein Tipp – ganz kurz – wenn man sich Hoffnung auf eine EU-Förderung macht?

Es ist ja in der Tat so, dass  viele EU-Förderungen für die Kleinstunternehmen, die in unserer Branche nun mal maßgeblich sind, einfach nicht passen. Man muss eine gewisse Größe haben, um die Manpower dahinter zu stecken, Partner zu finden, den Antrag zu betreuen. Wer diese Größe hat, findet bei uns erste Orientierung und einen Vorfilter.

Kontakdaten Oliver Wittmann: Email: ed.vi1513100780taerk1513100780-nrey1513100780ab@nn1513100780amtti1513100780w1513100780">ed.vi1513100780taerk1513100780-nrey1513100780ab@nn1513100780amtti1513100780w1513100780 | Telefon: 0911/20671-425 | Mobiltelefon: 0151/27646799

[Auf Bitten von bayerndesign wurde das Interview am 29.3. noch einmal überarbeitet.]

Rainer Hertwig am 21. März 2016

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